14 Überlebenstipps für Solo UX’er
23. Januar 2019

Photo by Anastasiia Tarasova on Unsplash

Was tun, wenn du als einsamer UX’er unter Isolation, Ressourcenmangel (quasi einem winzigen UX-Budget), Zeitmangel, Missverständnissen und viel Widerstand gegenüber deinen Ideen leidest? Wir haben ein paar Tipps für dich gesammelt (basierend auf eigenen Erfahrungen und denen anderer - siehe Lesetipps):

  1. Etabliere einen klaren UX-Prozess, basierend auf den Bedürfnissen deines Unternehmens mit seinen Technologien und Geschwindigkeiten. Dafür ist es notwendig zunächst genau zu beobachten, wie dein Unternehmen „tickt“. Integriere dich in den Rhythmus deines Unternehmens, indem du zum Beispiel an Standup-Meetings oder Retrospektiven teilnimmst und darüber sprichst wie der UX-Prozess Blocker lösen könnte. Bitte um Feedback von anderen, um deinen UX-Prozess verbessern zu können. Sei aufmerksam in Bezug auf zukünftige Projekte, die deinen Input benötigen könnten.

  2. Höre aktiv zu. Versuche den Standpunkt deines Gegenübers, mit dem du sprichst, zu verstehen. Rede nicht dazwischen. Stelle höchstens Fragen. Nutze all deine Empathie-Skills und sei bei Bedarf in der Lage individuell angepasst zu erklären, warum und wie dein neuer UX-Prozess und UX-Research deinem Zuhörer Vorteile bringt. Am besten ist es jedoch, wenn du einfach zuhörst, um zu verstehen.

  3. Erstelle dir eine wachsende Liste deiner Verbündeten: Wer in deinem Unternehmen ist auf deiner Seite? Wer könnte dir mit was behilflich sein? Kreiere interne Fürsprecher für das Thema UX in anderen Abteilungen.

  4. Agiere weniger taktisch („Lasst uns die Navigation verbessern.“) und mehr strategisch („Lasst uns die Nutzerbedürfnisse im Einklang mit Unternehmenszielen befriedigen.“). Überlege dir in welchen Projekten dein Einfluss strategisch am größten ist und wähle Projekte mit maximalen Auswirkungen auf die UX-Kultur. Plane längerfristig, um dein Unternehmen nachhaltig nutzerzentrierter zu machen.

  5. Mache deine Erfolge sichtbar. Spreche über messbare Ergebnisse mit Personen aus dem Management. Wenn du gute Ergebnisse, wie beispielsweise in einem Online-Shop die Reduzierung von Service-Anfragen zum Thema „Retouren“ durch dein Projekt vorweisen kannst, dann überlege dir, wie du dies nutzen kannst, um UX mehr Relevanz in der Führungsetage zu verschaffen. Kommuniziere deine Erfolge effizient und verständlich an die Unternehmensführung in Form von kurzen Reports.

  6. Überzeuge deine Vorgesetzten, dass qualitative UX-Methoden notwendig sind, indem du sie live beobachten lässt wie echte Nutzer Probleme haben, einfache Aufgaben zu erledigen. Lass sie schwitzen und spreche danach mit ihr über deine UX-Strategie.

  7. Sorge dafür, dass du selbst regelmäßig die User und Kunden wirklich zu Gesicht bekommst und ihre realen Bedürfnisse verstehen lernst. Wie kannst du in Zukunft schneller mit weniger Aufwand Nutzerstudien durchführen? Denke dir Strategien aus: Zum Beispiel könntest du eine Datenbank von Nutzer anlegen, die regelmäßig bereit sind, dir zeitnah Feedback zu Produktentwicklungsschritten zu geben.

  8. Überlege dir wie du mit geringem Budget ein Testing-Labor mit verschiedenen Geräten einrichten könntest. Zum Beispiel könntest du innerhalb der Firma herumfragen, ob Mitarbeiter ihre alten Smartphones oder Tablets zu günstigen Preisen abgeben würden. Oder du könntest einfach eine Liste pflegen, die dich daran erinnert, wer welches Gerät besitzt, um diese Personen bei Bedarf bitten zu können, damit zu testen.

  9. Übe dich darin, effektiv und prägnant zu formulieren, insbesondere den Return-on-invest (ROI) deiner Maßnahmen. Schreibe zum Beispiel keine langen Mails. Wenn es nicht anders geht, dann formuliere eine aussagekräftige Zusammenfassung in 2-3 Sätzen und stelle sie an den Anfang deiner E-Mail oder Präsentation. Sei in der Lage den Mehrwert deines aktuellen UX-Projekts in 60 Sekunden verständlich darzustellen.

  10. Sprich über UX mit anderen so oft wie möglich - aber nerve dabei so wenig wie möglich. Erkläre geduldig was UX-Design und UX-Research bedeuten, z.B. beim Kaffee mit Kollegen oder bei einer Präsentation. Gebe intern Kurse. So sorgst du dafür, dass andere deine Fachsprache und auch deine Arbeit besser verstehen. Das Resultat wird auch sein, dass andere sich deiner Rolle im Unternehmen bewusster werden und selbst UX-Fürsprecher werden können.

  11. Besuche SCRUM-Meetings, in denen das Team diskutiert, an was als nächstes gearbeitet werden sollte. Markiere die User Stories in denen du involviert werden möchtest und erläutere kurz warum, wenn du gefragt wirst.

  12. Bringe viel Team-Spirit und dein Lächeln mit! Andere werden mehr Spaß haben Dinge nutzerzentriert mit dir voranzubringen.

  13. Engagiere dich in der UX-Community außerhalb deines Unternehmens, um immer im Austausch zu sein, deine Motivation immer wieder neu aufzubauen und dich weiterzubilden. Schau einfach bei meetup.com. Dort findest du in vielen Städten Gruppen, die sich mit Usability und UX beschäftigen.

  14. Habe Geduld und bleib dran, auch wenn die Lage zwischendurch mal hoffnungslos aussieht!

 
Quellen & Lesetipps:

Autor/in

Dr. Anna Lea Dyckhoff
Dr. Anna Lea Dyckhoff
E-Commerce, UX- und Conversion-Beraterin
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